Bootswerft Frauscher

Ein kleines Boot für die Menschheit, ein großer Schritt in Tradition und Design: Die Bootswerft Frauscher.

Die österreichische Bootswerft Frauscher gehört zu den führenden Herstellern von Design-Motorbooten. Die von zwei Brüdern geführte Firma baut nur 80 Stück im Jahr – und das mit großem Erfolg. Dabei ist der Traunsee im Herzen des Salzkammerguts bei weitem nicht der Größte in seiner Klasse. Die Bootswerft Frauscher schon.

Ein gewaltiges Logistikzentrum verstellt am Rand von Ohlsdorf den Blick auf die Voralpenlandschaft. Mit Romantik hat die Frauscher Bootswerft auf den ersten Blick nichts zu tun. Dabei entstehen in der fünf Jahre alten Fabrikhalle minimalistische und maßgeschneiderte Luxusmotorboote. Spielzeuge der Erfolgreichen und Ehrgeizigen. Manch einer reagiert mit Verwunderung über den Herkunftsort der Boote. Verständlich, ist doch das kleine Österreich eher für seine Skier und Speck, als für Boote bekannt. Dabei schaffte es eines der Frauscher-Boote sogar in eine CSI-Miami-Folge inklusive der Textzeile eines Polizisten, die lautete: „Er verschwindet auf einer Frauscher 757.“ Egal, ob Miami oder der Traunsee, die Boote von Frauscher bestätigen auf ganz eigene Art und Weise den Ausspruch: Der Weg ist das Ziel. Und da dürfen die „kleinen“ Österreicher ruhig mal ganz groß sein. Die Höchstgeschwindigkeit von einigen der Frauscher-Boote liegen bei über 100 km/h. Da stellt sich schon mal die Frage, wozu das Ganze, da zumindest auf den meisten österreichischen Seen ein Geschwindigkeitslimit von 50 km/h gilt. Aber dieselbe Frage dürfte man sich dann auch bei gewissen Sportwagen fragen.

  • Showroom der Frauscher Bootswerft
    Der moderne Showroom der Frauscher Bootswerft.

Von der blauen Donau.

Aber von welchem Boot ist eigentlich die Rede? Nun, das lässt sich in einem Satz nicht beantworten. Ein Blick in die Familiengeschichte des Unternehmens hilft dabei weiter: Im Jahr 1927 übernahm der 24-jährige Tischlergeselle Engelbert Frauscher aus einem kleinen Dorf in Oberösterreich eine Bootswerft an der Alten Donau in Wien, um Holzboote zu reparieren. Nach dem 2. Weltkrieg übernahm Frauscher eine alte Werft in Gmunden am Traunsee – und startete hier richtig durch. 1955 produzierte er sein erstes Elektro-Boot und 1958 das erste Motorboot. Seine Söhne Hans und Ernst Frauscher setzten die Tradition fort, Ernst baute 1969 (zum Entsetzen der Familie) das erste Boot aus Polyester. Danach kamen die Jahre der Segelboote (H-Boot), bevor die Frauscher Bootswerft 2002 das E-Boot neu entdeckte. 2012 übersiedelte das Familienunternehmen in eine neue Werft in Ohlsdorf und schraubte dort die Effizienz der Produktion in die Höhe. Dabei wird jedes einzelne Boot individuell auf den Käufer zugeschnitten. Die 50 Mitarbeiter sorgen dafür, dass jährlich rund 100 Boote verkauft werden. Seit der Standort-Eröffnung wächst der Umsatz pro Jahr um eine zweistellige Prozentzahl und so wie Hans Frauscher 1969 mit Polyester auf einen Zukunftswerkstoff setzte, setzen auch seine Söhne bei der Antriebstechnik auf Innovationen. In der – nunmehr – dritten Generation baut Frauscher Hybrid-Boote mit kombiniertem Verbrennungs- und Elektromotorantrieb.  Hydrodynamik und Linienführung stehen neben Verarbeitung und Details im Vordergrund. Zum Einsatz kommt Glasfaser, Edelstahl, Carbonfaser, gut abgelagertes Holz, bevorzugt wird Mahagoni, wobei der blank polierte, elegante und fugenlose Rumpf und seine bis zu zwölf Lackschichten glänzen wie Sonnenstrahlen im Morgentau. Ganz zu schweigen von den Armaturen, den Ledersitzen und den chromblitzenden Beschlägen. Das Sounddesign der Maschinen erledigt ein Übriges, wobei auch der Elektroantrieb in ökotechnisch aufklärerischen Zeiten längst als Alternative zum Sprit zu haben ist.

  • Die 858 Fantom der Bootswerft Frauscher
    Die 858 Fantom ist purer Luxus auf 8,76m. Foto: Frauscher

Klassiker und Neuheiten (Auszug).

Schönheit verpflichtet: Die 858 Fantom schlägt einen neuen Weg im Bootsdesign ein und gilt als der „Sportwagen“ der Day Cruiser. Das Markenzeichen der Frauscher Boote – das charakteristische „Z“ der Edelstahl-Scheuerleiste – wurde dreidimensional gebaut. Eine ziemliche Herausforderung für Designer wie Bootsbauer, daher im Bootsbau eine Seltenheit. Das für das Meer gedachte Designerboot sieht nicht nur aus wie ein Sportwagen, es fährt sich auch so: Die Frauscher 858 Fantom erreicht mit verschiedenen V8 Benzinmotorisierungen oder Varianten mit Diesel Motoren in Verbindung mit einem Z-Antrieb ganz einfach die 40 Knoten Barriere und ist mit dem optionalen 8,2l V8 Motor mit 430 PS über 48 Knoten schnell.

Nie aus der Mode: Mit ihrem klassischen Design, dem durchdachten Raumkonzept und den ausgeklügelten Ausstattungsdetails steht die 650 Alassio an der Verkaufsspitze der Elektroboote. Die Elektroyacht ist 6,5 Meter lang und hat eine Motorleistung von maximal 60 kW.Das Elektroboot pflügt fast geräuschlos durch das Wasser, das Sonnendeck weckt die Urlaubsstimmung. Kein Wunder, dass die 650 Alassio zum meist verkauften Modell der Firma gehört. Vorallem am Starnberg, am Chiemsee und am Wörthersee.

Nie auf der Stelle treten: Die elegante Mirage 747 kann auch bei einem Casting für einen 007-Streifen locker mithalten und stammt vom renommierten Salzburger Büro Kiska und Thomas Gerzer, die auch für Bugatti und KTM zeichnen. Die Höchstgeschwindigkeit des Day Cruisers liegt bei 60 Knoten, das sind umgerechnet rund 100 km/h, was man auf dem Wasser um einiges intensiver merkt als auf jeder Straße.

Der Erfindergeist und die Motivation zahlt sich aus: Heute hat die Frauscher Bootswerft 14 internationale Niederlassungen, baut exklusive Motorboote mit Stückpreisen von bis zu 750.000 Euro und ist an der Gmundner Esplanade ebenso präsent wie in Saint-Tropez und Miami.

 

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