Snow Supreme

Am Anfang steht immer die eine Frage: Wer hat’s erfunden? Eine Frage, deren Antwort in der Schweiz eigentlich fast jeder Ferienort für sich beansprucht. Und doch gibt es nur ein Bergdorf, dass die ganze Welt kennt: St. Moritz. Aber wird der Ort den Ansprüchen gerecht? Oder sollte man nicht doch lieber in das nordamerikanische Aspen ausweichen, wo der Schnee wie Champagner prickeln soll?

Macht es Sinn über den Atlantik fliegen, wenn die Alpen schon so nahe sind? Vermutlich ist Ihnen diese Frage auch schon mal in den Sinn gekommen. Vor allem, wenn die Alpen wiedermal mit Schneearmut kämpfen und die Rocky Mountains im selbigen fast untergehen. Für ein Duell der Winterdestinationen bieten sich da freilich nur zwei Orte auf höchstem Jetset-Niveau an: Aspen in Colorado und St. Moritz im Engadin.

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Die Pisten.

Zahlenspiele machen im Vergleich der Pisten in St.Moritz und Aspen nicht viel Sinn. Beide Skigebiete haben ihren grundeigenen Charakter. Und das oberhalb der 3000 Höhenmeter. Die Bemessungsgrundlage ist allerdings eine jeweils andere: Die Europäer bewerten ihre Pisten in Kilometern, die Amerikaner berechnen hingegen die Pistenfläche. Der Unterschied der beiden Skigebiete ergibt sich in der jeweiligen Topographie: Im Engadin findet man felsdurchsetzte Backcountry-Varianten und Gletscher, in den Rockies Baumparcours und konkave Hänge, von den Einheimischen “Bowls” genannt. Trotzdem sollte eines gesagt sein: Sogar im Vergleich mit den selten überfüllten Engadiner Bergen gibt es in Colorado einfach mehr Platz. Die schiere Weite der schneebedeckten Landschaft und Pisten ist einzigartig.

Die Örtlichkeiten.

An Tradition hat St. Moritz, als eine der Wiegen des Wintersports, einiges zu bieten. Allerdings hat auch Aspen Geschichte: Aus der einstigen Silberminenstadt mit roten Backsteinhäusern ging ein mondäner Skiort hervor – und nicht etwa ein Skiresort, der von einem Großinvestor aus dem Boden gestampft wurde. Beide Orte sind etwa gleich groß und liegen auch ähnlich hoch. In den Villenvierteln Suvretta und Red Mountain liegt Glamour in der Luft. Den findet man auch in der örtlichen Kunstszene: St. Moritz lockt mit Ausstellungen über Nietzsche und Segantini – neuerdings auch mit einer Galerie von Heidi-Ex Vito Schnabel. Aspen hat in der Anderson Ranch ein Art Künstlertreff, wo sich Hollywood die Klinke in die Hand gibt. Einen leichten Vorteil hat Aspen höchstens deshalb, weil die Rockies insgesamt ein wenig liberaler und „rockiger“ erscheinen. Das merkt man beispielsweise an den wechselnden Konzerten im Club „Belly Up“. Ansonsten ist der Punkt reine Geschmackssache.

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Der Winter & Surroundings.

Beide Orte rühmen sich mit 300 Sonnentagen pro Jahr – das verkündet zumindest die Werbetrommel. St. Moritz bezeichnet sich auch gerne mal als Erfinder des alpinen Wintertourismus. Aber das machen die Skiorte rund um den österreichischen Arlberg auch. Und: St. Moritz preist seine relative Trockenheit über 1.800 Meter als “Champagner-Klima” an. Da muss Aspen einfach dagegenhalten: Hier verlieren die Wolken nach der Überquerung der Wüsten im Westen des Landes jede Menge Feuchtigkeit. Deswegen fällt in Aspen nun mal der berühmte „Champagne Powder„. Dieser besonders staubige Pulverschnee kann sich zwar nicht über den ganzen Winter halten, dennoch punktet hier Aspen. Allerdings: St. Moritz ist in Sachen Aussicht nicht zu schlagen. Im Süden reihen sich Seen bis zum Malojapass, im Südwesten bilden die beiden Viertausender Piz Bernina und sein Nachbar Piz Palü die Höhepunkte. Die von Inn und Flaz geformten Einschnitte sind keine engen Täler, sondern weite Ebenen. Aspen bietet zwar insgesamt mehr Viertausender, trotzdem fühlt man sich, aufgrund der Baumgrenze auf knapp 3.500, manchmal wie in den Voralpen.

Fazit.

Im Endeffekt entscheiden die persönlichen Vorlieben, aber auch der persönliche Schatzmeister: Denn obwohl St. Moritz als hochpreisig gilt, Aspen verlangt schon für den Tageskipass das Dreifache. Nichtsdestotrotz: Die Tage in den Bergen und im Schnee sind unbezahlbar. Besonders mit seinen Liebsten – und da ist eigentlich egal wo.